Alle Veranstaltungen

Das Kunstforum Seligenstadt e.V. initiiert regelmäßig ein breites Spektrum kultureller Veranstaltungen, die der Öffentlichkeit beinahe alle Facetten zeitgenössischer Kunstrichtungen nahe bringen. Die aktuellen Veranstaltungen können Sie der folgenden Liste entnehmen.

„quadratur“
Sonntag, 10. September 2017

alt Freiluftausstellung der Galerie Kunstforum im Klosterhof des ehem. Benediktinerklosters Seligenstadt und Kleinplastiken, Malerei und Objekte in der
Galerie Kunstforum im Alten Haus, Frankfurter Str. 13
Sonntag, 2. Juli - Sonntag, 3. Oktober 2017
Vernissage: Sonntag, 2. Juli, 17 Uhr im Klosterhof
Öffnungszeiten: Galerie Fr., Sa., So. und feiertags
von 15 – 18 Uhr, Klosterhof täglich Eintritt frei


Es gibt eine Vielfalt plastischer Konzepte, vom Quadrat bis zum Kubus, deren spannende Verbindungslinien sich quer durch die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts ziehen. Unzählige Künstler, zumeist in der abstrakten und konkreten Kunst, haben sich mit dem Quadrat in Form und Inhalt auseinandergesetzt. Zu sehen sind Kunstwerke, die sich ernsthaft, spielerisch, mathematisch, spirituell, analytisch und witzig mit dem Viereck und seinen rechten Winkeln beschäftigen. Wir zeigen Arbeiten von Werner Bitzigeio, Ursula Buchegger, Bettina Bürkle/Klaus Illi, Elvira Chevalier, Pasquale Ciuccio, Hermann J. Kassel, Vera Röhm, Marten G. Schmid und H.D. Schrader.


Wie es war

Kunst unter freiem Himmel

Zahlreiche Kunstfreunde nahmen am letzten Sonntag an der Eröffnung der neuen Freiluftausstellung „quadratur“ des Kunstforums Seligenstadt im Klosterhof der ehemaligen Benediktinerabtei Seligenstadt teil. Seit der ersten Ausstellung 1987 folgten in der Regel alle zwei Jahre Präsentationen großer Skulpturen, nun zum 18. Mal.

Zu sehen sind Werke von zehn Künstlerinnen und Künstlern, von denen sieben an der Eröffnung teilnahmen: Werner Bitzigeio, Ursula Buchegger, Elvira Chevalier, Hermann J Kassel, Marten G. Schmid und HD Schrader. Der 2014 verstorbene Pasquale Ciuccio wurde von seiner Witwe vertreten. Verhindert waren Bettina Bürkle, Klaus Illi und Vera Röhm.

Laudator Dr. Roland Held aus Darmstadt porträtierte mit seiner erfrischenden Rede Künstler und Werk. In einem kurzen kulturgeschichtlichen Abriss zeigte er, dass das Quadrat – wie auch der Kreis - in der Antike als die perfekte geometrische Form galt und den verschiedensten künstlerischen Strömungen zur Anregung wurde. Doch gab es auch Zeiten, in denen es als steril und einfallslos gebrandmarkt wurde. So zum Beispiel im abstrakten Expressionismus mit seinen biomorphen, organischen Formen, der erst in den 1960er Jahren durch den Minimalismus abgelöst wurde.

Dr. Held begann in seiner Ausführung mit dem bereits 2014 verstorben Pasquale Ciuccio. Sein Beitrag sind fünf Steinquader mit ihren Bruchflächen nach oben, in leuchtendem Ultramarinblau, wie Gebirgswellen in Miniatur. Diese stechen dem Besucher bei seinem Rundgang als erstes ins Auge. Hermann J Kassels „Erd-Intarsie“ besteht aus einem auf Pigmentdruck übertragenen und in ein Grasstück versenkten Gemälde von Claude Monet, das während der Dauer der Ausstellung sich verändern wird. Sonne, Regen, Feuchtigkeit und Temperaturschwankung ausgesetzt, wird es langsam seinen Aggregatzustand verändern. Ähnlich das Werk von Marten G. Schmid: Ein Kubus aus Holzlatten, sozusagen die dritte Dimension des Quadrates, jetzt noch aus frischem, rohem Holz, wird sich mit der Zeit verfärben, verformen, von Insekten besiedelt werden und in seinem Inneren ein Eigenleben führen, das dem Betrachter von außen nicht zugänglich ist. Ein Beispiel, dass Kunst der Zeit und somit der Vergänglichkeit unterworfen ist.

Vera Röhms Schattenlabyrinth aus Aluminium besteht aus drei weißen Skulpturen, mannshoch. Man kann zwischen ihnen stehen und gehen, sie bieten Schutz vor Sonnenlicht, aber auch vor Wind und Sturm, wie zwischen den Fragmenten eines tatsächlichen Labyrinths. Bettina Bürkles Installation wirkt wie ein großes „Schreibpult“ für das Licht der Sonne. Den schönsten Effekt bieten die Sonnenstrahlen am Vormittag: Sie zaubern auf den 24 verschiedenfarbigen Acrylglasplatten ein leuchtendes Farbenmosaik. Auch in Bürkles Arbeit spielt Veränderung und Wandel eine integrale Rolle.

Das Thema Quadratur bearbeitet Ursula Buchegger in Form eines dreidimensionalen Gittersystems, in dessen Mitte sich 11 x 11 x 11 bunte Quadrate befinden, erstellt aus Abschnitten von farbigen Kunststoffstrohhalmen. Diese wirken wie Platinen im Inneren eines Elektronenrechners. Elvira Chevalier kehrt zurück zur Natur, indem sie den Eschenbaum im Klostergarten mit einer fluoreszierenden Gummikordel so umwickelt, dass große Rechtecke entstehen, die in der Höhe und Verastung immer filigraner werden. Nachts, mit Schwarzlicht angestrahlt, entwickelt ihre Arbeit erst ihre volle Wirkung. HD Schraders Quadrat wird für die meisten Betrachter wahrscheinlich zur Rätselaufgabe: Wie Obst, das man in Flaschen reifen lässt, hängt sein Kubus im Geäst der ehrwürdigen alten Eiche! Nicht ohne weiteres ersichtlich, wie er dahin gekommen ist. Überhaupt Bäume! Eiche, Esche, Kastanie und Linde finden sich im Klostergarten. In alle vier Arten hat Klaus Illi seine Tafeln gesetzt, auf denen wir lesen „Ich atme für dich“. Ein Hinweis auf die lebenserhaltende Funktion des Sauer- und Stickstoffaustausches in der Natur.

Die größte hier gezeigte Installation stammt von Werner Bitzigeio. Sein Objekt aus Baustahl ist begehbar. Über eine blau gekennzeichnete Treppe kommt man in einen Innenraum, um auf einem anderen Weg wieder herauszufinden. Sicher zur Freude der Kinder wie auch der allgegenwärtigen Amseln und Tauben. Von Bitzigeio stammen auch zwei Rundkörper, ebenfalls aus Betonstahl, die zwar äußerlich rund, im Innern aber eine quadratische Struktur aufweisen.

Was kann diese Ausstellung bewirken? Sie kann dem Betrachter helfen im Training der Wahrnehmung, was nach Meinung Dr. Helds eine lebenslange Aufgabe ist: Mit verändertem Blick die gewohnte Umgebung auf quadratische Elemente erforschen!

Nach Grußworten von Dr. Udo Wahl, Vorstandsvorsitzender des Kunstforums, und der Schirmherrin der Ausstellung, Margit Winkler, Geschäftsführerin des Instituts GenerationenBeratung, sowie der Vorstellung der Künstlerinnen und Künstler durch Kuratorin Annemarie Pötzelberger eröffnete Seligenstadts Bürgermeister Dr. Daniell Bastian die Ausstellung. Sie ist bis zum 3. Oktober den ganzen Tag über geöffnet. In der Galerie Kunstforum im Alten Haus in der Frankfurter Str. 13 werden dazu parallel Kleinplastiken, Malerei und Objekte zum gleichen Thema präsentiert. Die Öffnungszeiten sind Fr., Sa., So. und feiertags von 15 – 18 Uhr, Eintritt frei.

Das Kunstforum dankt den vielen freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern aus den eigenen Reihen wie auch den zahlreichen Sponsoren, ohne die eine solche Ausstellung nicht auf die Beine zu stellen wäre. Das sind die Energieversorgung Offenbach, die Brauerei Glaab, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das Institut GenerationenBeratung, der Kreis Offenbach, der Lions Club Seligenstadt, die Alfred Ritter GmbH & Co. KG, die Sparkasse Langen-Seligenstadt, die Firmen Gefi-Bau und Hausmeisterservice, die Josef Zöller Dächer und Fassaden GmbH sowie die Gewerbevereine Seligenstadt und Mainhausen. Zu danken ist nicht zuletzt Uwe Krienke, Leiter der Außenstelle der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten mit seinem Team.


 

Was ist Kunst?

Das ist die Frage aller Fragen! Zur Klärung dieser lud das Kunstforum Seligenstadt e.V. am Sonntag, dem 20. August in den Klosterhof der ehemaligen Benediktinerabtei ein.

Inmitten der installierten Kunstwerke der diesjährigen Freiluftausstellung „quadratur“ befassten sich die Mitglieder des Theaterensembles Francoise Gessler, Gregor Hafner, Ingrid Jost, Monika Lipgens und Patrick Rachor mit literarischen Fundstücken zum Thema: Was ist Kunst und was Kunst so alles ist! Sehr unterschiedlich sind die Aussagen durch die Jahrhunderte, vielfältig sind Aphorismen und Zitate zur Kunst z.B. von Picasso, Jean Sibelius, Frank Zappa, Paul Gauguin, Paul Klee oder Theodor W. Adorno.

Humoristisch ging es los mit Wilhelm Busch - vorgetragen von Gregor Hafner - der in Reimform in seiner altbekannten Weise die Freuden und Leiden des Künstlerdasein beleuchtete. Ingrid Jost las Auszüge aus einem Roman von Alex Capus über Emile Gilliér, der als Zeichner und Fälscher dem berühmten Heinrich Schliemann bei dessen Ausgrabungsarbeiten assistierte. Aus Steinhaufen und zweifelhaften Fundstücken rekonstruierte er trojanische Fresken, den Schatz des Priamos und Agamemnons Totenmaske. Dass er es dabei mit der Wahrheit nicht sehr genau nahm, störte niemanden, konnten doch alle Beteiligten daraus ihren Nutzen ziehen.

„Der Himmel meines Großvaters“, nach einem Roman von Stefan Hertmans, erzählt die Geschichte eines belgischen Soldaten zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Nach einer Verwundung kommt dieser zur Wiedergenesung nach England, wo er sich als Freskenmaler in einer Kirche betätigt. Nach seinem Tod liest der Enkel dessen Aufzeichnungen und begibt sich auf die Suche nach dieser Kirche, findet sie und stellt verblüfft fest, dass die im Deckengewölbe gemalten Heiligen mit den Gesichtern des Großvaters und dessen Sohn, dem Vater des Erzählers, ausgestattet sind.

Mit der Rolle der Kritik in der Kunst beschäftigte sich Oscar Wilde und sieht im Kritiker den Künstler. Dieses höchst amüsante und anregende Streitgespräch wurde von Ingrid Jost und Monika Lipgens vorgetragen.

Den Schlussakkord machte Yasmina Rezas Theaterstück „Kunst“, das die Gruppe szenisch aufführte. Dabei ging es um das Zerwürfnis von drei Freunden, nachdem der eine ein Bild für 200 000 Francs gekauft hat, das lediglich weiß mit ganz feinen weißen Linien ist. Das Stück zeigt wie kontrovers die Ansichten über Kunst sein können und das allein ist schon ein Argument für die Notwendigkeit ihrer Existenz.


„Die Kunst des Verlegens“

Was macht eigentlich ein Verleger? Die Antwort erhielt das Publikum am 17. August 2017 in einer Gesprächsrunde im Rahmen der aktuellen Freiluftausstellung „quadratur“ des Kunstforums Seligenstadt im Klosterhof. Unter dem Motto: „Die Kunst des Verlegens“ sprach Manfred Metzner, der Leiter des Verlages „Wunderhorn“ in Heidelberg. Nadine Nitsche, Inhaberin der Seligenstädter Buchhandlung „Geschichten-Reich“ und Mitglied des Kunstforums, moderierte. Zu dieser Verbindung kam es durch den Schokoladenhersteller Ritter Sport („quadratisch – praktisch – gut“), Mit-Sponsor der Freiluftausstellung, der selbst ein eigenes Museum und eine sehr umfangreiche Sammlung von Kunstwerken zum Thema Quadrat besitzt und für den Manfred Metzner als Verleger tätig ist.

In der sehr angenehmen Atmosphäre unter dem Kastanienbaum erzählte Metzner die Entstehungsgeschichte seines Verlages, begonnen mit der Zeit seines Studiums in Heidelberg, dem Zusammentreffen von Gleichgesinnten und dem Ziel, eine vom Mainstream vernachlässigte Sparte Literatur und Kunst zu fördern. Schon früh spezialisierte man sich auf französischsprachige Autoren, betrieb gründliche Recherche und baute Beziehungen auf, die sich als echte Glücksfälle erwiesen. So lernte Metzner Phillipe Soupault - der zusammen mit André Breton als der Begründer des Surrealismus gilt- und dessen deutschstämmige Frau Ré kennen und wurde als enger Freund Erbe des Nachlasses dieser beiden schillernden Künstlerpersönlichkeiten. Diesen Nachlass zu sichten, zu ordnen und zu publizieren ist für ihn ein Privileg. Obwohl der Verlag Wunderhorn bereits einiges veröffentlicht hat, gibt es für Manfred Metzner sicherlich noch Überraschungen, wie er in seiner angenehmen Art der Vermittlung den fasziniert lauschenden Zuhörern versichern konnte.


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Ort : Klosterhof und in der Galerie Kunstforum, Klosterhof 1, 63500 Seligenstadt, Deutschland